Bilder - Geschichten

Wenn ich Bilder intensiv betrachte und darin eintauche kommen mir meist irgendwelche Geschichten dazu in den Kopf. Vermutlich geht es vielen so, die Neugier wird in uns geweckt was uns das Bild sagen will, damit meine ich nicht die Intention des Künstlers der es erschaffen hat, sondern unsere eigene Phantasie die das Bild lebendig macht. Die eigenen Gefühle lassen das Bild lebendig werden und jeder Betrachter kreiert so seine eigene. 

Hier beschränke ich mich auf meine eigenen Bilder und schreibe die Geschichte auf, die mir beim direkten betrachten in den Sinn kommt. Interessanterweise sind diese Erzählungen oft ganz anders als meine Gedanken damals wo ich die Bilder entstehen ließ. Da stand das Motiv im Vordergrund und hab alles darauf hingearbeitet damit es mir gefiel. Erst nach Fertigstellung und den Blick auf das Ganze seh ich in meinen Kopf die Geschichte dahinter. Kunst inspiriert erst in der Gesamtheit und die eigentliche Vorstellung und Planung ist dann oft Geschichte und etwas neues, anderes ist entstanden. Die Macht der Phantasie lässt jedes Kunstwerk zum eigenen kreativen Brunnen werden. 

Meine Bilder basieren auf Fotos die ich zufällig oder gezielt gemacht habe und später dann nach meinen Vorstellungen veränderte. Mal mit simpler Fototechnik, mal mit eigenen Zeichnungen darin oder in Kombination mit den Gemälden oder Skizzen meines verstorbenen Bruders. Mir ist es wichtig die Kunst meines Bruders in meiner weiterleben zu lassen und so entsteht eine neue Verbundenheit zwischen uns. 

Es sind spontane Gedanken die ich hier verfasst habe, machmal gingen sie mit mir durch und bei einigen hielt ich mich aus verschiedenen Gründen zurück. 

Was will uns der Künstler mit seinen Werk uns sagen? …

… ist es nicht wichtiger, was wir uns bei dem Werk denken?

Zurückgelassen


Über zwanzig Jahre habe ich dieses Land, meine Heimat nicht betreten. Kein Groll, Hass oder gar Angst hat mich abgehalten, sondernde Furcht vor meinen eigenen Gefühlen die ich dann spüre. Nun bin ich hier, an meinem Geburtsort. Aufgewachsen und selbstbewusst geworden. Glückliche Jahre ohne Sorgen, meine Eltern waren reich, meine Geschwister liebevoll und meine Freunde eine Stütze. Unser Haus steht nicht mehr, ich weiß nicht was damit geschah und will es nicht wissen. Es ist ja eh nicht mehr da. Die Stadt ist gewachsen, riesig geworden und gänzlich anders als ich sie in Erinnerung hatte, glanzvoll aber nicht glamourös. Was für Feiern wurden hier überall veranstaltet. Lernte meinen Mann hier kennen und lieben. Waren so glücklich, hier und später in München, unser neues zuhause, auf Zeit was ich nicht ahnte. War nie naiv aber verschloß die Augen vor dem was drohte. So etwas kann nie wahr werden, Unsinn alles. Früh wurden wir gewarnt aber nahmen es nicht ernst. Lebten glücklich weiter und hielten unseren Stand, unser Ansehen. 


Erst als Freunde verschwanden, in ferne Länder oder manche spurlos wachten wir auf und begriffen. Mein Mann traf Vorbereitungen, die Kinder und ich traten eine reise an, unauffällig auffällig wie es sich für unsere Gesellschaft ziemte. Wir waren in Sicherheit, mein Mann regelte daheim den Rest. Er hatte Glück und konnte unbehelligt das Flugzeug besteigen. Wir hatten Glück, andere nicht. 


Ich habe meinen Frieden geschlossen. Es war eine andere Zeit, eine schrecklich die sich nie wiederholen darf. Historie kann nicht geändert werden und heute trägt niemand Schuldt mit sich herum.

Jeder einzelne Mensch sollte nur für sich den Frieden finden und dafür sorge tragen das sich keinerlei Grausamkeit der Geschichte wiederholt. Niemand trägt die Schuld anderer auf seine Schultern, immer nur die Eigene, aber lernen kann jeder daraus. 

Kopflos


Starr vor Angst, alle Muskeln gelähmt, der Mund trocken. Timor kann nicht glauben was er sieht, will es nicht glauben. Unten am Flussufer wird ein junger Typ von einer Gruppe Männern getreten und geprügelt, so viel Hass und Brutalität hat er noch nie erlebt. Er braucht einige Zeit um sich zu sammeln, um zu überlegen was er nun tun soll. Sein tiefster Instinkt sagt ihm weglaufen, so schnell und weit es geht, aber dennoch greift er zu seinem Phone und wählt den Notruf. Er bringt nur Gestammel heraus aber die am anderen Ende verstehen und wollen sich schnell kümmern. 


Immer noch wie festgenagelt steht er da, aktivierte wie ferngesteuert die Kammerfunktion und in seinem Display erscheint die ganze Grausamkeit. Er zoomt heran und kann nun auch Gesichter erkennen. Langsam geht er etwas näher. Die sind zu fünft, groß und bullig. Richtige Schläger. Was kann er schmächtige Gestallt da allein ausrichten. Er will helfen, weglaufen, Augen zu machen, nichts sehen, wissen. Aber er ist nun mal da, unbemerkt von denen. Hilfe wird bald kommen. Wenn er noch näher geht wird er das nächste Opfer, ganz bestimmt. Ihm wird heiß und kalt zugleich. Seine Hände zittern. Warum ist noch niemand zur Hilfe da, die bringen den Typen um. Sekunden wie Ewigkeit. Er hört sich ‚Verpisst euch‘ rufen. Sieht seinen Tot vor Augen, es ist das Gesicht eines der Männer, wutverzerrt, kommt näher. Ein zweiter folgt ihm. Er kann sich nicht bewegen. Steht nur da. Angst, Panik. Der Mann schreit irgend etwas. Ist vielleicht einen Meter vor ihm. Da, er erwartet einen harten Schlag, hört aber Polizeisirenen. Augen zu. Warten auf den Schlag. Nichts. Eine Hand auf seiner Schulter, Todesangst, Timor schreit in Panik, nun stirbt er. 


Als Timor die Augen öffnet liegt er auf dem Rasen, schaut in das Gesicht eines Sanitäters der ihm die Hand hält. Polizisten stehen neben ihm. Er lebt also noch, gut, und der andere? 


Timor geht die Straßen entlang, er hat dem Typen das Leben gerettet, der liegt zwar auf der Intensivstation, aber lebt. Das Video ist der Polizei eine große Hilfe. Schwulenhass, was für Menschen, er kann es nicht glauben, nur weil der Typ so aussah und benahm, hätte jeden treffen können, auch ihn vielleicht. 


Mit leere im Kopf trottet er weiter. Der Kaffee von dem Sanitäter in seiner Hand ist schon lange kalt. 

DancingAlex


Tanz für mich, ja tanz für mich. Immer noch erschallt es in seinem Kopf. Tag aus tag ein. Aleksey liebte es für Anton zu tanzen. Sich anmutig, auch mal wild zu bewegen. All seine Energie für seinen Geliebten, der ihn mit fast andächtigen Antlitz beobachtete. Er konnte ihn mit seinem Tanz erfreuen, aufmuntern, liebkosen und einfach nur unterhalten. Anton war sein inniges Publikum. 


‚Der neue Stern am Balletthimmel‘ ‚Neben ihm verblasst jeder‘ ‚Ausverkaufte Häuser-Jeder will Aleksey sehen‘ ‚Aus dem nichts zum Weltstar .. wer ist dieser Aleksey?‘ ‚Aleksey erobert die Hauptstädte Europas‘ ‚New York steht ihm offen .. Tokyo liegt ihm zu Füßen’


Anton genoß den Ruhm seines Freundes. Stolz saß er immer da, in Begleitung der schillernden Persönlichkeiten der Stadt. Auf Partys stand er dem zurückhaltenden Aleksey bei. Beide waren füreinander da und ergänzten sich perfekt. Liebe war nicht nur ein Wort, sie lebten die Liebe und strahlten sie nach außen aus, jeder war in ihren Bann gezogen und sonnte sich in der Aura des Glücks und Leichtigkeit. Auf der Bühne brillierte Aleksey mit seinem Tanz und vermittelte die gute Energie auf jeden der sie aufsog. Auf der Bühne der Konversation war Anton der Meister der Begeisterung der allein mit seiner kleinen, fast jugendlichen Erscheinung die Leichtigkeit des Lebens im Glück verbreitete. Keine Neider, nur Bewunderer und derer die sich Freunde nennen durften. Es schien ein nie endendes Glück sein. 


‚Grausamer Mord am Alex .. Mit 7 Messerstichen getötet‘ ‚War es eine Zufallsbegegnung oder geplanter Mord‘ ‚Ehemann von Aleksey ermordet - Wer ist der Mörder‘ ‚War es ein Hass-Mord’ ‚Fahndung läuft ins Leere‘ ‚Aleksey auf Bühne zusammengebrochen‘ ‚Vorstellungen sind abgesagt‘ ‚Aleksey: ich tanze nie wieder‘


Schlagzeilen verstummen .. da Herz nie. 

Tanz für mich, tanze. 

Nur für dich.  

Sommer Freude


Mit jeder Pore die Sonne aufnehmen, den leichten Wind auf der Haut spüren und zur Abkühlung in die Elbe springen. Einfach den Tag leben und genießen, nicht an Schule oder die Zukunft denken. Mit den Kumpels flachsen und heimlich rauchen, lachen und Erlebnisse teilen, Pommes auf die Hand und kalte Cola. Mit leicht verbrannten Rötungen zum Aussichtsturm rennen und runter spucken, einen Blick auf das Hafengetümmel werfen und den Zuspruch der Freunde bekommen wenn man von den großen Seereisen auf den Pötten träumen. Mit dreckigen Füßen und Badehose in den Supermarkt und Automagazine kaufen, und Kaugummi klauen. Mit Eifer über Mädels oder auch Jungs schwärmen, dabei lachen und hänseln das die Beule groß wird. Mit all dem sind sie im Sommer glücklich und wollen gar nicht woanders sein als in ihrem Quartier. 


Toll wie die Schiffe an ihnen vorbei fahren und das Wasser gebrochen wird, die Gischt nach allen Seiten spritzt. Toll wie sie auf dem Geländer balancieren und immer seltener herunter fallen, dabei die Musik laut aus den Smartphone schmettert. Toll irgendwie wie die kleinen Wunden dann bluten und mit Spucke verarztet werden bis es nur noch Kratzer sind. Toll wie weit die Steine ins Wasser fliegen und alle hinterher springen. Toll wie nach der kalten Flusserfrischung die Haut langsam wieder warm wird und irgendwann der Schweiß vom Kopf tropft und das kühle Nass gesucht wird. Toll das alle dabei sind und sich freuen. 


Dann kommt der Abend und der Wind wird kühler wenn die Sonne geht. Dann wird es ruhiger und die Schiffe weniger. Dann geht der erste heim, der Hunger und die Erschöpfung siegen. Dann wird aus ihrem Geschrei und Gejohle ein Flüstern und ruhiges sprechen. Dann werden die Augen kleiner und der Gang langsamer. Dann trennen sich auch die letzten Beiden und die Lichter strahlen aus den Fenster und es wird still auf den Straßen. 


Ein Sommer-Tag, eine Sommer-Freude, mit Sommer-Freunden

Enttäuscht


Er hat es versprochen, fest versprochen. Er weiß wie wichtig das hier für mich ist. War so glücklich das er mitkommen will. Mir ist das hier wichtiger als ihn, aber versprochen hat er es mir. Gestern bevor ich heim ging, in die Hand. Dachte ich hätte ihn von meinen Argumenten überzeugt und ihm klar gemacht das es wirklich wichtig für mich ist. Hat mich sogar noch mal in den Arm genommen nachdem er es Versprach. Klar, seine Interessen liegen woanders, aber hätte er doch mal für mich trotzdem machen können. Steh doch auch immer hinter seinen Leidenschaften, auch wenns nicht ganz so meins ist. Mach es für ihn, für uns. Das ist doch so bei Freunden. Einer für den anderen. Und hat es mir doch versprochen. Was kann wichtiger sein als ein Versprechen einzulösen. Wollen doch keine Bank ausrauben, ist doch nur ne Demo. Ne blöde Demo, die mir aber wichtig ist. So oft war ich auf einer ohne ihn, und er wollte immer wissen wie es war, das interessierte ihn schon, und nun wollte er doch mal mitkommen. Nur dies eine mal. Reichte mir doch vorerst. Und er war doch einverstanden trotz seine Skepsis über die Sache an sich. Hatte sich sogar frei genommen. Geht nicht ans Telefon, gut, hat einen echt tiefen schlaf. Es liegt bestimmt in der Küche und hört es nicht. Hätte sich ja mal nen Wecker stellen können der Blödmann. 


Wie letztens wo er mich in der Kneipe versetzt hat, ist auf dem Sofa eingeschlafen, ja klar. Hab da ewig mit meinem Bier gesessen und alle starrten mich schon an, der kleine da allein an der Theke. Oder als wir mit Tilo in die Ausstellung wollten, wer war nicht da. Aber diesmal hat er es mir fest versprochen. Warum macht er das immer. Glaubt er das er sich alles erlauben kann. Bin doch sogar damals mit zu seiner kranken Oma gefahren, traute sich nicht allein. War doch selbstverständlich für mich. Er mag halt keine Krankenhäuser und dann noch die lange Fahrt dahin. Und er, hält nicht sein Versprechen. Bin wohl der stärkere von uns beiden. Und wenn er sich immer mit seinem schelmischen Lächeln und den großen Welpenaugen entschuldigt, bin ich wohl der schwächere.  

Patricia


Mancher behaupten ich habe ein Herz aus Eis. Einen Martini dabei und ich wäre glücklich kann ich darauf nur erwidern. Nun, ich bin nunmal in einer Position in der ich mir keine Schwächen erlauben kann. Bei meinen Entscheidungen geht es immer um viel Geld, Arbeitsplätze und Firmenexistenzen. Und wenn manche darunter in Nachteil gelangen, ist das nun mal so. Ob ich Mitleid mit denen hab, nein, die würden ohne mit der Wimper zu zucken genauso Handeln. So ist das Leben halt, die Regeln habe ich nicht erfunden. 


Äusserlich bestätige ich natürlich die hergebrachte Meinung eines kalten Engels. Meine Größe, die zarte blasse Heut, meine kalt wirkenden Augen, meine ganze Erscheinung, sie ist halt Gott gegeben und warum soll ich mich unter Jute und Asche verbergen, ergäbe keinen Sinn. Ausserdem stehen mir die Designer Kleider hervorragend und sind, man möge es kaum glauben, sehr bequem. Und mein Make up, kühl, geradlinig, beeindruckend. Schon viele Ureinwohner diverser Länder trugen eine Art Kriegsbemalung um Ihre Gegner zu verwirren, sich selbst noch größer und mächtiger Darzustellen. Wenn ich einen Raum betrete ist andächtiges Schweigen angesagt. Der erste Teilsieg für mich und mein Vorhaben. 


Wenn ich mich so reden höre kommt der Gedanke an das Militär näher als an dem Wirtschaftswunder das ich betreibe. Wobei die Schnittmengen sehr groß und fließend sind. Beide wollen ihr Ziel erreichen, sprechen von Verlusten die nur in Zahlen ausgedrückt werden, nicht in Geld, Subfirmen, Arbeiter, Tote, Landgebiete oder Sachschäden. Im Grunde sind unsere Tätigkeiten gleich, vom übergroßen Schreibtisch erlassen wir unseren Willen, dargestellt in Tabellen, Karten und Diagrammen. Wir alle wollen Macht, Macht auf die eigene Art. 


Aber habe ich nun ein Herz, eines das nicht aus Eis ist. Vielleicht. Vielleicht liebe ich meine Kinder und spiele mit ihnen und albere auf dem Boden mit ihnen rum. Vielleicht bezahle ich einigen Angestellten zu viel Gehalt und unterstütze deren Familien. Vielleicht spende ich anonym viel Geld an wirklich sinnvollen Organisationen. Vielleicht lache ich viel zusammen mit meiner gebrechlichen Mutter. Vielleicht bin ich ein glücklicher Mensch. Vielleicht sieht es nur niemand. 


Vielleicht

WohinNur


Es war so wie ich es mir in meinen schlimmsten Träumen nicht vorgestellt habe. Die Blicke, das Schweigen und dann die harten Worte. Wie könne ich ihnen das nur antun, Schämen würden sie sich. Was würden nur die Leute sagen und denken. Würde so einer hier mal auftauchen, das Maul würden die Nachbarn sich zerreissen. 


Pervers und Krank ist das! Geh, wir wollen dich nie wieder sehen!


Mir schossen Tränen in den Augen, griff zu meiner Jacke und den Rucksack und rannte davon, blieb erst viele Straßen von unserer Wohnung wieder stehen. Durchatmen. Was nun. Alex schreiben. Ja, wegen ihm hab ich ja meinen Eltern alles Erzählt und steck nun in diesem Schlamassel. Tippte eine lange Nachricht und schickte sie ab. Er ist auf Arbeit. Ok, kann dauern bis er Antwortet. Erst mal Richtung Innenstadt. 


Steig aus der U-Bahn, mein Handy brummt. Alex, er hat geantwortet. Überglücklich schau ich auf das Display und meine Gesichtszüge erstarren. Kann nicht lachen, weinen, atmen, leben. So würde es nicht sein, würde auf gar keinen Fall bei ihm unterkommen oder gar einziehen. Wie würde ich mir das überhaupt vorstellen. Während er arbeiten würde, würde ich zur Schule gehen und mein Abi machen. Never. Seinen festen Freund würde er nie für mich verlassen. 


Es war ne geile Zeit, aber ich will dich nie wieder sehen!


Mir schossen Tränen in die Augen und rannte, rannte so weit ich konnte. Durchatmen. Was nun. Nichts. Niemand. All meine Freunde habe ich wegen Alex aufgegeben, alle vor den Kopf gestoßen, alle vertrieben. Niemand ist da zu dem ich kann. Geh langsam ziellos ohne Gedanken, mit 1000 Gedanken im Kopf weiter. 


Würde, würde, würde immer nur würde .. hab ich keine Würde. 

Edith


Eine Diva, ja so fühlte ich mich immer. Aber wollte ich eine sein? Nicht wirklich, denn Diven sind zickig, abgehoben, unnahbar und trotzdem mitten im Leben, ihren eigenen Leben. Trifft dennoch alles auf mich zu. C’est la vie. 


Als Kind schallte immer nur ‚Eddi komm .. Eddi mach .. Eddi sei lieb‘ durch die Flure unseres Hauses. Eddi, was für ein Spitznamen für mich. Keine Dame von Welt wird Eddi gerufen. Ich stand auf der Bühne unseres Wohnzimmers, später auf der aller angesagten Clubs. Mein Gesang wurde als Kindisches Gebrüll verachtet, nun lieben ihn all die vielen im Publikum. Belächelt wurde ich damals wie heute auch noch, von meinen Eltern und Banausen, von denen die meine Kunst nicht verstehen, mich nicht ertragen. Ich bin und war immer selbstsicher genug mich zu präsentieren und nicht zu verstecken, verleugnen. 

Der rote Lippenstift den ich immer schon liebte, der von meiner Großmutter geborgt, der rubinrote Glanz. Großmutter spürte es immer und gab mir alles. Liebe, vertrauen, stärke und meine erste Stola aus lila Samt. Sie saß im Zuschauerraum, immer mit einen Glas Champagner und rauchte. Still lauschte sie meinen Gesang und war wieder in Paris, ihrem Paris was nun Berlin bedeutete. Aber ihr Herz nahm alles mit hierher und lebte insgeheim dennoch dort. Meine Schuhe und mein Mut wuchsen stetig in die höhe. Nichts kam an mich heran, zumindest auf der Bühne und die Zeit bis ich daheim war, dann brach oft mein selbstgemachte Schein, die Beschimpfungen, der Spott, die Gewalt krochen durch mein Gehirn und die Schwäche, so wie bei meiner Großmutter auch, damals als man sie wegen ihrer fremden Herkunft, ihrer Religion, ihres Geldes beschimpfte und hasste. Hass spürten wir beide, anderen aber doch den gleichen. Und beide haben wir auch die Liebe gespürt und gefunden. Die liebe eines Mannes der hinter und zu uns stand. Kurios das beide auf den Namen Karl getauft wurden, und beide ihre Religion abgelegt haben, wegen uns. 


Meine Großeltern sind nicht mehr, nur noch in meinen Gedanken. So wie mein Karl, der für mich starb. 


Das Leben geht immer weiter. Mein Leben geht immer weiter. Ich Feier meine Lieben auf jeden Fest, denn sie liebten Feste, Partys und das Leben.